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labyrinth

labyrinth. at centre blankness

Marlen Wagner

Von der Antike bis zur Gegenwart hat die Form des Labyrinths seine Rätselhaftigkeit bewahrt. Es gehört zur Begegnung mit dem Labyrinth: Wer es zu ergründen versucht, der läuft Gefahr, sich in ihm zu verlieren. Wer es betritt, kann in ihm aber auch überraschende Begegnungen machen. Manchmal erweist sich ein Raum erst als Labyrinth, wenn man in ihn eingetreten ist. Manchmal erfährt man das, was man für ein Labyrinth gehalten hat, als Irrgarten.

Das Labyrinth als Rätsel


Die Berliner Foto-, Performance- und Landartkünstlerin Marlen Wagner konfrontiert in ihrer Werkgruppe "Labyrinth" seine Form mit Materialien und Räumen, die sich in Übergangszonen finden: zwischen Kultur und Natur (wie in Parklandschaften) oder zwischen Naturräumen, die von Menschen gerne gesucht werden und zu denen “es” Besucher in besonderer Weise hinzieht (etwa den Strand als Zone zwischen Land und See).

labyrinth

“Rätsel verweigern sich der Forderung nach der klaren Rede des Ja, ja, Nein, nein – und sagen deshalb weder das, was sie meinen, noch meinen sie das, was sie sagen. Vielmehr führen sie das Denken um die Ecke – und nicht nur um eine – führen in die Irre, verwirren den, der Aufschluss erwartet. Und manchmal hält auch des Rätsels Lösung keine Erlösung bereit. Denn manche Rätsel appellieren nicht an Verstand oder Vernunft – sondern an Erfahrung.” Marlen Wagner sieht auch das Labyrinth als ein solches Rätsel, das “jener Erfahrung eine Chance, sich zu entwickeln, sich zu entfalten lässt, für die es keinen falschen Weg gibt, die lachend in die Irre geht, über die Mauern vermeintlicher Sackgassen springt, Umwege als erfüllte Zeit erfährt und mit einer federlichten Berührung des Blicks jenes Etwas bestaunt, das am Wegesrand auftaucht.”

Verlassene Wegweiser


at centre blankness

Marlen Wagner arbeitet bei ihren Labyrinth-Erkundungen in der Regel mit natürlichen Materialien, die sie an den Orten ihrer “Randgänge” vorfindet: Sand, Steine, Zapfen, Muscheln, Seetang. Manchmal aber ist es auch Strandgut, manchmal Zivilisationsmüll. Für die Einschreibung und Einzeichnung des Labyrinthischen in den Raum streut sie die Materialien aus, ordnet sie an, zeichnet in Sand und legt mit Seilen Spuren und Formen, die das Labyrinth auf jenen roten Faden verweisen, auf die manche Betrachter die Labyrinthe der Werkgruppe absuchen.

Teils werden die Labyrinthe zu Spielräumen performativer, einmaliger Aktionen. Immer aber werden die Landart-Installationen am Ende verlassen. Dann treten sie für andere als rätselhafte Landmarken oder Sehzeichen oder auch Wegweiser in Erscheinung.

Im Fraktalwerk erschien im Januar 2013 (überarbeitete Fassung 2014) das Multi-Touch-Buch "labyrinth. at centre blankness" von Marlen Wagner: In Text, Fotogalerien und Filmen sind fünf Landartinstallationen aus den Jahren 2011 bis 2012 dokumentiert.

Marlen Wagner
labyrinth. at centre blankness
landart
2013
ISBN 978-3-943852-05-9
7,99