Im Gespräch mit Robert Krokowski

 

Der Berliner Künstler Robert Krokowski beschäftigt sich als Schriftsteller und Textpraktiker mit der Kreation von Wörtern, Schriftzeichen sowie der Entschlüsselung von Botschaften. Zudem führt er Performances und Installationen im ländlichen und urbanen Raum durch. Im Gespräch gibt er Einblicke in seine künstlerische Arbeit.

Die Schrift der Engel ist eines deiner zentralen Projekte. Die Arbeiten rund um das Projekt sind häufig mit Kooperationen mit anderen Künstlern verbunden. Was reizt dich an der Zusammenarbeit mit anderen Kreativen?

„Das Spannende an einer künstlerischen Zusammenarbeit besteht für mich darin, immer wieder konfrontiert und herausgefordert zu werden sowie neue Impressionen und ästhetische Reize auf mich wirken zu lassen, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Ich bin kein Einzelkämpfer und als Künstler immer daran interessiert, Projekte, die ich durchführe, zusammen mit anderen zu machen. Das hat sehr viel damit zu tun, dass ich sehr gerne Tango tanze. Deshalb arbeite ich in meinen Kunstprojekten die einzelnen kleinen Schritte gerne mit jeweils einer Partnerin oder einem Partner aus, sodass quasi eine Tanzsituation dabei entsteht.“

Gibt es eine Künstlerkooperation, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist oder dich in deiner Arbeit besonders gefordert hat?

„Besonders war die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Künstlerin Anjolie York, die ich vor nunmehr acht Jahren während meinem Projekt „Selbst-Beschreibungen“ kennengelernt habe. Ich habe damals auf der Bilderplattform Flickr Leute gesucht und gefunden, die sich gerne selbst porträtieren. Und Anjolie war eine derjenigen, die ich wirklich für mein Projekt begeistern konnte. Wir haben über viele Jahren einen sehr langen E-Mail Briefwechsel geführt und uns eigentlich auch nur über diesen E-Mail Briefwechsel kennengelernt. Alles, was in dieser Zeit passiert ist, ist für mich eine sehr intensive Erfahrung gewesen, weil ich viele Anregungen bekommen habe, aus denen eine Vielzahl von weiteren Projekten entstanden ist.“

Im Kontrast zu deinen Arbeiten als Textpraktiker und Schriftsteller stehen deine Landart-Arbeiten. Wie bist du dazu gekommen?

„Ja, es scheint zunächst erst mal, als seien diese beiden Felder Gegensätze. Landart ist etwas ganz anderes, als auf dem Papier oder Computer an einem Text zu arbeiten. Es macht einfach Spaß, raus zu gehen und draußen in der Landschaft Kunst zu machen. Landart ist für mich ein ganz spannendes Feld. Ich arbeite sehr gerne am Strand, der Übergangszone zwischen dem Meer und dem Land, da mich Übergangszonen, Zwischenzonen und Schwellen besonders interessieren.“

Wenn du nur ein Wort oder einen Satz zur Verfügung hättest, deine künstlerische Arbeit zu beschreiben – wie würde dieses Wort oder dieser Satz lauten?

„Inframince.“

Was ist/ sind Inframince?

„Es ist ein Wort, das Marcel Duchamp erfunden hat. Dieses Wort bezeichnet eine Reibungsfläche, eine hauchdünne Fläche zwischen Dingen, die sich abspielen. Er hat zum Beispiel gesagt, Inframince sei das, was entsteht, wenn zwei Hosenbeine aus Samt aneinander reiben. Dann ist da ein hauchdünnes Empfinden, ein ästhetischer Prozess, der sich abspielt. Diese hauchdünne Schnittstelle, Berührungsfläche zwischen den Dingen, spielt für mich in meiner Arbeit eine große Rolle. Inframince ist ein sehr schönes Wort, um meine künstlerische Arbeit zu beschreiben, weil ich dieses Konzept permanent ausarbeite. Es mir entspricht.“

Anne Wonneb