FRAKTALE

Im Laufe der vergangenen 15 Jahre sind aus der Projektraum-Arbeit etliche „Fraktalwerke“ hervorgegangen. Sie sind Ergebnisse einer fortschreitenden thematischen Arbeit an Formen und Inhalten. Aktuell (2020) steht das Thema „Traumarbeit“ in einem besonderen Fokus, das bereits in den vergangenen Jahren einen Brennpunkt der Fraktalwerkarbeit bildete. Ende 2020/Anfang 2021 wird eine Fraktalwerkstatt „Traumbeute“ stattfinden.

Weitere Brennpunkte der Arbeit bilden und bildeten Themen wie: „Der Rote Faden“, „Tango und Nicht-Tango“, „Die Schrift der Engel“, „The Berlin Letter Mysteries“, „Inframince“, „Hamut oder Beim Lesen der Gänsehaut“, „Ausgesetzt“, „Seitenblicke“, „Lateritour“, „Auftauchen und Erscheinen: Emergenzen, Epiphanien und fusionsanadytische Plasmata“.

Als Fraktaltexte werden Dinge und Objekte, Fotos und Filme, Klang- und Schriftgebilde, Installationen und Tanzsequenzen immer wieder neu bearbeitet, verbunden und verändert. „Momentaufnahmen“ des work in process bilden als Fragmente und Rudimente des Prozesses auch das Material für neue Variationen oder Versionen der Themen und Motive eines Projektes.

Für die Ergebnisse der Wiederholungen, Verschiebungen, Verdichtungen, Veränderungen und Verwandlungen in der Durcharbeitung und Darstellung von Themen hatte sich um 2005 die Bezeichnung „Fraktale“ gefunden. Insbesondere in Berlin wurde der Begriff aus seinem mathematischen Zusammenhang herausgebrochen und zur Bezeichnung damals zeitgenössischer Kunstobjekte verwendet. Als die Bezeichnung im Regen des Kunstmarktes stehengelassen wurde, von den Kritikern weggefegt wurde, auf der Straße liegenblieb und zu verwittern begann, lasen einige Akteure das Wort auf und legten es in ein Lageregal. Dort beobachteten sie von Zeit zu Zeit, wie es wie ein schlecht isolierter Akku Kriechströme entwickelte und in seiner Bedeutung an Spannung verlor. Dann schlossen sie das Wort im Interface von Kunst und Nicht-Kunst an Dinglagen in anderen Gestellen an und beobachteten die Veränderungen, die es in den neuen Konstellationen erfuhr.

Fraktalwerke sind Installationen, Objekte, Fotos, Multiples, Ready Mades, Ready Founds – kurz alles, was traditionell auch als „Kunstwerke“ bezeichnet wird, aber auch Werkfraktale aus Natur und Kultur, die durch Spuren von Erosion, Verwitterung, Alterung, Waschung, Zerfall, Vergessen, Verdrängen, Überwucherung, Überklebung, Rosten, Verstauben, Ent-, Ver- und Abnutzung, Patinierung, Ge- und Verbrauch, Ana- und Metamorphose, Dissolution, Verwandlung, Zweckentfremdung, Entzug, Fragmentierung, Bruch, Verblassen, Verschleiß, Usur, Materialermüdung, Schwund, Ver- und Zerfall gekennzeichnet sind.

Insofern bestimmt sich der Fraktalwert eines Werks aus dem ästhetischen Mehrwert, der sich aus dem Upcycling von Weg- und Verworfenem, Zurück-, Fallen-, Liegen- und Stehen-gelassenem, Vergessenem, Abgenutztem und Vernutztem, Verdrängtem, Verlorenem, Ausgemustertem und Ausgesondertem, Ausgegrenztem, Ausgeschlossenem, Entsinntem und Ver-, Ent- und Umgewertetem, Unverbrauchtem und Übrigebliebenem, Zweckentfremdetem und Entstelltem, Ge- und Entborgenem, Entleertem und Versandetem, Verschüttetem und Begrabenem, Aufgegebenem und Verlassenem ergibt.

Upcycling als ästhetischer Wandlungsprozess und auch Wertschöpfungs- und Wertschröpfungsprozess stellt Verwertungsgeschehen in Kunst und Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft durch Teilhabe an diesem in Frage.

Fraktalwerke, Loseblattsammlungen, Künstlerbücher, Installationen, Objekte, Fotos usw. können bei den Urheberinnen und Urhebern deshalb zwecks Aufrechterhaltung des work in process, also des Werk- und Wertschaffungsprozesses direkt erworben werden. Anfragen leitet der Projektraum entsprechend gerne weiter: fraktale(at)fraktalwerk.de.