Traumbeute

„Traumbeute“ ist ein Langzeitprojekt des Fraktalwerk-Projektraums. Es erkundet die Verschränkungen zwischen Realitäten. Die Arbeit an diesem Projekt läuft seit vielen Jahren mit wechselnden Mitwirkenden in unterschiedlichen Konstellationen. Manche arbeiten kontinuierlich seit Beginn miteinander, andere periodisch, wieder andere nehmen an einzelnen kleinen Projektabschnitten teil.

Das Projekt bietet Spielräume für persönliche Schwellenerfahrungen und erforscht Schnittstellen und Zwischenräume künstlerischer Praktiken. Und ist es möglich, das „eigene Ding“ zu machen – und dennoch „gemeinsame Sache“? 2021 wird eine Werkstatt/Ausstellung „Traumbeute“ stattfinden. Die Werkstatt wird aktuelle Projekte der Mitwirkenden in Form von Installationen, Assemblagen, Performances, Lesungen, Filmen und Fotos zeigen. Dazu werden Ergebnisse des „Fraktalwerk in process“ der letzten 20 Jahre ausgestellt.

Zur Projektseite traumbeute.de

Die Projektseite „traumbeute.de“ ist Teil der Fraktalwerkstatt. Sie folgt Spuren in den Texten der inhaltlichen und formalen, thematischen und organisatorischen, theoretischen und praktischen Projektarbeit in progress.

Die Mitwirkenden lassen sich dabei auf Grenzerfahrungen ein, erproben sich und das Thema in immer neuen ästhetischen Spielräumen, die man gemeinhin zum Beispiel Theater, Film, Tanz, Fotografie, Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Literatur, Land Art, Urban Art, Fluxus, Performance nennt, jedoch ohne sich auf eine Definition ihrer Arbeit festlegen zu lassen. Auf die Frage, ob sie denn nun endlich ihr Genre gefunden habe, antwortete eine der Beteiligten nur lapidar: Warum sollte ich mich beschränken lassen? Whatever works

Fotos und Filme, Klang- und Schriftgebilde, Installationen und Assemblagen, Tanzsequenzen und Performances werden immer wieder neu bearbeitet, verbunden und verändert. Diese „Momentaufnahmen“ des work in process bilden auch das Material für neue Variationen oder Versionen der Themen und Motive des Projektes.

So schön es ist, Ergebnisse der eigenen Arbeit anderen zeigen zu können, Bücher, Filme, Dokumentationen zu veröffentlichen – im Vordergrund stehen die performativen Erfahrungen beim (gemeinsamen) Handeln. Etwas zu tun, sei es zusammen mit anderen oder auch für einen Projektabschnitt allein, setzt die Beschäftigung mit dem Thema voraus. Diese muss jedoch nicht immer reflexiv erfolgen. In einem anderen Zusammenhang hieß es einmal „form follows function“. Wenn es um Körper, Körpererfahrung, Tanz und Performance geht, so ist es vielleicht sinn-voller den Körper auch zu benutzen, mit allen Sinnen.

Das Thema „Immersion“ zeigt, dass es in Kunst und Gesellschaft heute schwerfällt, die Realitäten auseinanderzuhalten und ihre wechselseitigen Durchdringungen zu verstehen. Eintauchen in Realitäten und Auftauchen aus Realitäten ist ein beliebtes Thema in darstellender und bildender Kunst, in Filmen und in der Literatur. Gesellschaftliche und kulturelle, wirtschaftliche und politische Realitäten zeugen fortschreitend von traumartigen und albtraumartigen Fiktionalisierungen. Einmal in einer solchen Blase heimisch geworden, tendieren die Bewohner*innen jedoch dazu, sich gegen andere Realitäten abzuschließen und die eigene Blase für die einzig wahre zu halten.

Ästhetische Erfahrungen mit den Folgen für die Träumenden und die Geträumten, als Resultat von Traumarbeit, sind ein Beitrag zur Vergewisserung, was geschieht, wenn Fiktionen realisiert werden und wenn Reales fiktionalisiert wird. Was spielt sich ab, wenn Fälschung zum Original erklärt und Fake Realität wird, wenn Wissen als „DIE Wissenschaft“ verabsolutiert und aus religiösem Glauben „DIE Wahrheit“ wird? Wenn Wissenschaftler in religiösem Eifer einander als Ketzer und vom Glauben Abgefallenen denunzieren?

Die Menschen verfügen in Kultur und Kunst, Wissenschaft und Religion, Politik und Wirtschaft neben ihren Realitätssichten und Träumen schon dadurch über wichtige Erfahrungen, weil sie VERKÖRPERN, was sie für die einzige gültige Realität halten.

Oft sind es die ästhetische Begegnung mit anderen Körpern, die Grenz- und Schwellenerfahrungen mit dem Fremden ermöglichen. Und weil ästhetische Projekte und Kunstprojekte auf die Spur des Fremden in jedem einzelnen Menschen führen, wird Veränderung möglich. Performative Kunst als Prozess permanenter Veränderung ist eine Praxis, die auf die Frage zielt, wie Gesellschaften einlösen können, was „DIE Gesellschaft“ nicht vermag.

Die Mitwirkenden im Projekt „Traumbeute“ loten in ihren Arbeiten ästhetische Erfahrungsräume aus. Kann es gelingen der Ästhetisierung der Politik, dem allgegenwärtigen Rassismus und Sexismus, der aus Angst und Ignoranz geborenen Dummheit etwas entgegenzusetzen? Einen Versuch, auch mehrere, ist es allemal wert, und ein mögliches Scheitern kein hinreichender Grund, das zu unterlassen. „I have a dream“ – ein Traum, der die Welt verändert hat.

Auch deshalb sind „Traum“ und „Traumbeute“ Hauptthema des Projekts, die besondere Erfahrungsschwelle des Traums und die Erkundung seiner Realität. Traumarbeit und Traumdeutung werden so Teil ästhetischer und kognitiver Realitätsprüfung.