Sonja Knoll zu Gast bei Fraktalwerk

alt="Sonja Knoll, Ausschnitt aus "Spuren der Entschöpfung"">

„Mit großer Freude habe ich eine Einladung aus Berlin angenommen, mit Robert Krokowski und Marlen Wagner zusammenzuarbeiten und am Künstlerbuch „Spuren der Entschöpfung“ für das Projekt „Pavillon Simone Weil“ in Genf/Schweiz mitzuwirken.

Die dem Buch „Schwerkraft und Gnade“ entnommenen Texte wurden von Robert Krokowski und mir teilweise geschwärzt („black out poetry“), auf den von mir bearbeiteten Seiten habe ich – mir relevant oder für Simone Weil typisch erscheinende – Wörter oder Satzteile ungeschwärzt gelassen.

In der Folge habe ich in den Text eingegriffen, indem ich die durch mich bearbeiteten Seiten mit Auszügen aus längeren Zitaten von Autoren über sie (Böll, Camus, T.S.Eliot) oder von Autor:innen, die ihr eine Inspiration waren (Teresa von Àvila, Aischylos, Platon) ergänzt habe.

So ist zum Beispiel eine der Seiten, deren Text von Simone Weil mir persönlich fast unerbittlich schien, überstickt mit einem Zitat Heinrich Bölls, in dem er sich auf Simone Weil bezieht: „Ich habe Angst vor ihrer Strenge.“

Eine andere Überstickung lautet: „Ein großer Geist unserer Zeit“, einem Zitat von Albert Camus.

Ich habe diese Ergänzungen in einer von mir erdachten – also fiktiven – Schrift über die black-out-Zeilen gestickt, teilweise wurden die Seiten außer mit Schriftzeichen auch noch mit Symbolen versehen und somit durch meine Perspektive kommentiert.

Sowohl die Nicht-Entzifferbarkeit des Alphabets als auch die von mir gestalteten Kommentar-Zeichen sollen die Besucher:innen anregen, sich mit den ausgewählten freien = lesbaren Wörter zwischen den geschwärzten Stellen gedanklich auseinanderzusetzen.

Einen durchgängigen Text zu lesen braucht vermutlich nicht so viel geistige Energie wie die Frage danach, was da wohl verborgen / geschwärzt ist, was die Bedeutung des Inhalts sein könnte, von dem nur einzelne Teile (Wörter, Satzteile) sichtbar sind. Und was wohl die runenhaften Buchstaben bedeuten sollen.

Mein Anliegen ist es, diese geistige „Reibung“ zu verstärken in der Auseinandersetzung mit den Texten Simone Weils.“

Sonja Knoll

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*1957 in Wien
Österreichisch-Schweizerische Psychologin, Autorin und Künstlerin
Nach einem Kunstgeschichte-Studium in Wien Übersiedlung in die Schweiz – langjähriger Aufenthalt in verschiedenen Kantonen, darunter auch drei Jahre lang in Genf
Psychologiestudium mit Abschluss lic.phil. in Bern
Psychotherapeutische Ausbildung in Österreich und Deutschland
Psychologin in den Arbeitsbereichen Öffentlichkeitsarbeit, Assessment/Personalrekrutierung, Coaching, Suchtprävention, Kunstvermittlung
Mehrjährige künstlerische Ausbildung im Bereich Papier und Textil in Bern/Schweiz
Autodidaktin (mixed media, book artist)
Ausstellungen in der Schweiz

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